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«Zwischen Held und Depp»

Seit 15 Jahren trainiert Patrick Foletti (51) die Torhüter des Schweizer Nationalteams – und ist mit dafür verantwortlich, dass sie zu den Besten Europas zählen. Ein Gespräch über die Rolle des modernen Goalies und die grösste WM der Geschichte.

Auf der Trainingsbekleidung der Nati-Spieler und -Coaches sind normalerweise zwei Buchstaben aufgedruckt – die Initialen des Vor- und Nachnamens. Ausser bei einem, da sind es drei: «Fox» heisst es bei Patrick Foletti, und so wird der Goalietrainer von allen genannt. Mit einem Fuchs habe sein Spitzname jedoch nichts zu tun, klärt er auf. Das sei vielmehr ein Jux aus der Jugendzeit, als seine Kollegen auf die Idee kamen, aus Foletti «Fox» zu machen.

Ob er ein schlauer Fuchs ist, bleibe mal dahingestellt. Was er aber auf jeden Fall ist: ein alter Hase, und zwar in der Torhüterausbildung. Direkt nach seiner Aktivkarriere übernahm er 2007 das Amt beim FC Luzern, anschliessend ging er zum Grasshopper Club Zürich – beides Vereine, bei denen er selbst als Profi zwischen den Pfosten gestanden hatte. Seine eigene, gleichnamige Goalieschule betreibt er schon länger.

Seit 15 Jahren ist er oberster Torhüter-Verantwortlicher beim Schweizerischen Fussballverband (SFV). Damals erhielt er die Aufgabe, das Ausbildungssystem zu vereinheitlichen. «In Genf wurde komplett anders trainiert als etwa in Lugano oder in Basel. Wir haben einen Schweizer Weg eingeführt.» Wenn also ein Goalie den Klub wechselt oder erstmals in ein Nationalteam kommt, erlebt er dort ähnliche Trainingspraktiken und -standards wie in seinem Jugendverein.

Das sei mit ein Grund, weshalb es aktuell so viele überdurchschnittlich gute Schweizer Torhüter gebe, die erfolgreich den Sprung ins Ausland schaffen. Die Liste ist eindrücklich und reicht vom aktuellen Nati-Goalie Gregor Kobel (Borussia Dortmund) über Yvon Mvogo (FC Lorient), Philipp Köhn (AS Monaco) bis zu Jonas Omlin (Bayer Leverkusen). Nicht zu vergessen Yann Sommer von Inter Mailand, den Patrick Foletti während zwölf Jahren im A-Nationalteam trainiert hatte. Und mit Marvin Keller (BSC Young Boys) und Pascal Loretz (FC Luzern) stehen die nächsten Kandidaten bereit.

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Patrick Foletti: Bereits seit 15 Jahren ist er oberster Torhüter-Verantwortlicher beim Schweizerischen Fussballverband (SFV).

Die Anforderungen
an einen Goalie
sind extrem
gewachsen.

Patrick Foletti, Sie scheinen den einfachsten Job im Schweizer Fussball zu haben – bei all den Toptorhütern, die Sie für das Nationalteam aufbieten können.
Die Auswahl ist inzwischen so gross, dass es meine Arbeit eher schwieriger macht (lacht). Bei jedem Zusammenzug muss ich fünf, sechs Goalies enttäuschen, die eigentlich auch ein Aufgebot verdient hätten. Aber das ist natürlich ein Luxusproblem, und wir sind sehr froh über die Qualität der Schweizer Torhüter.

Was zeichnet einen modernen Goalie aus?
Zwei Fähigkeiten sind heute absolut zwingend: Ein Torhüter muss die Emotionen und den Druck, die im Profifussball enorm hoch sind, verwalten können. Zudem muss er spielintelligent sein. Das heisst nicht nur, mit dem Fuss sauber hinten herauszuspielen, sondern wirklich das Spiel als Ganzes lesen zu können. Er muss gut stehen, gut antizipieren, gute Entscheidungen treffen.

Wie hat sich die Rolle des Torhüters seit Ihrer Aktivzeit entwickelt?
Die Anforderungen an einen Goalie sind extrem gewachsen. Zu meiner Zeit hat es, vereinfacht ausgedrückt, gereicht, wenn er die Bälle kurz vor der Linie abwehren konnte. Aber inzwischen sind die Räume, die er kontrollieren muss, viel grösser und reichen eigentlich bis zur Mittellinie. Was ebenfalls sehr spannend ist: Der Torhüter ist über die Jahre zu einem vollwertigen Teil des Teams geworden. Damals waren wir die mit den anderen Trikots, die einfach die Bälle fangen mussten. Heute ist der Torhüter in das ganze taktische Konzept eingebunden, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Das macht das Anforderungsprofil natürlich viel komplexer.

Und abseits des Feldes?
Die Vereine sind bereit, für Goalies hohe Löhne und Ablösesummen zu bezahlen. Das war zu meiner Zeit undenkbar. Wer ein paar Franken übrig hatte, kaufte lieber einen guten Stürmer. Heutzutage verpflichten die Klubs Torhüter auch viel gezielter – also passend zum System, das sie spielen wollen. Und das ist nur eine Konsequenz der ganzen Entwicklung, die unabhängig vom Geld stattgefunden hat. Die Trainings sind spezifischer geworden. Man hat gemerkt, dass der Goalie zwar ein Fussballer ist, aber ein anderes Profil hat und speziell trainieren muss. Nicht nur technisch, sondern auch athletisch. Als ich noch spielte, hatten wir meist nicht einmal einen eigenen Trainer.

Trägt der Goalie die grösste Verantwortung auf dem Feld?
Am Ende des Tages schon. Es heisst zwar, dass man zu elft Tore schiesst oder verhindert, aber wenn ein Goalie einen Fehler macht, ist es halt meist ein Tor. Dementsprechend lässt sich die Verantwortung kaum mit den Feldspielern vergleichen. Der Grat zwischen Held und Depp ist schmal. Das hat mich an dieser Position aber auch immer fasziniert.

Goalietrainer Patrick Foletti betreut Stars wie Gregor Kobel (Borussia Dortmund) oder Yvon Mvogo (FC Lorient).

Schweizer WM-Spiele

Samstag, 13. Juni, 21.00 Uhr* (San Francisco)
Katar – Schweiz

Donnerstag, 18. Juni, 21.00 Uhr* (Los Angeles)
Schweiz – Bosnien-Herzegowina

Mittwoch, 24. Juni, 21.00 Uhr* (Vancouver)
Schweiz – Kanada

*alle Anspielzeiten in mitteleuropäischer
Sommerzeit MESZ

Als Spieler hat es Patrick Foletti nie in das Nationalteam geschafft. Im aktuellen Staff ist er aber einer der Erfahreneren. Seit 2011 arbeitet der Nati-Goalietrainer vollamtlich für den SFV. Er leitet die Stabsstelle Torhüter und steht einem vierköpfigen Team vor. Der gebürtige Tessiner pendelt zwischen dem Haus des Fussballs in Muri bei Bern und Meggen (LU), wo er mit seiner Frau und den Zwillingskindern wohnt. Wenn keine Zusammenzüge anstehen, besucht er regelmässig die Torhüter in ihren Vereinen. So kommt er auf rund 50 000 Autokilometer pro Jahr.

Viel unterwegs sein wird er auch diesen Sommer, wenn ab dem 11. Juni in Kanada, Mexiko und den USA die Weltmeisterschaft über die Bühne geht. Die wievielte Endrunde es für ihn ist, weiss er nicht auswendig. Er beginnt zu zählen – wobei die Finger einer Hand nicht mehr reichen: Sein erster Grossanlass waren die Olympischen Sommerspiele 2012, es folgten drei Welt- und drei Europameisterschaften. Nun steht das achte Turnier vor der Tür.

Die Qualität des
Teams ist höher
und breiter
geworden.

Wie ist die Vorfreude auf die WM?
Die Vorfreude ist riesig; es wird gewaltig. So gross war noch kein Turnier, mit 48 Teams, 104 Spielen und drei Gastgeberländern. Was für uns aber auch viel mehr Aufwand bedeutet. Nicht nur wegen der Reisen – das sind wir schon von Russland und Brasilien gewohnt. Dieses Mal finden die Gruppenspiele immerhin in der gleichen Zeitzone statt. Aber es sind deutlich mehr potenzielle Gegner, auf die man sich vorbereiten muss.

Was liegt für die Schweiz drin?
Das Team hat eine grosse Reife erreicht. Spieler wie Xhaka, Rodriguez, Akanji oder Freuler haben vier oder mehr Turniere in den Beinen. Hinzu kommt, dass die neue Generation viel weiter ist als früher. Wenn wir heute die Jungen einwechseln, können sie mindestens das Niveau halten oder sogar noch eine Schippe drauflegen. Das war nicht immer so. Die Qualität des Teams ist insgesamt höher und breiter geworden. Klar müssen wir zuerst die Gruppe überstehen, aber ich glaube daran, dass wir weit kommen können.

In Ihren 15 Jahren beim SFV haben Sie unter drei Nationaltrainern gearbeitet. Wie unterscheiden sie sich?
Sie sind wie Tag und Nacht. Ottmar Hitzfeld lässt sich mit einem Wort beschreiben: Monsieur. Er ist eine Respektsperson und hat eine unglaubliche Ausstrahlung, wobei seine ganz grosse Stärke in der Kommunikation liegt. Vladimir Petković ist der sehr geradlinige Typ, der genau weiss, was er will und das auch klar vermittelt. Murat Yakin legt grossen Wert auf das Miteinander, und er ist ein absoluter Teamplayer, der auch unter viel Druck stets Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Was alle drei gemeinsam haben: Sie haben mir stets grosse Freiheit und Kompetenz gegeben. Ich schlage jeweils die Goalies für die Zusammenzüge vor, und bis jetzt sind sie praktisch immer meinen Vorschlägen gefolgt.

TextReto Neyerlin
Fotos Dominique Zahnd

Die neue Volkswagen Fan Zone

Seit Jahren ist Volkswagen offizieller Car Partner des Schweizer Fussball-Nationalteams. Nun lanciert die Marke eine exklusive Fan Zone. Dort erwarten die Kunden von Volkswagen attraktive Angebote rund um die Fussballwelt – wie vergünstigte Tickets für
Länderspiele, diverse Wettbewerbe oder Rabatte für Fussballcamps.

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