Sound & Design
Er sammelt Silber, Gold und Platin. Sie arbeitet mit Diamanten. Zlatko «Slädu» Perica und Ehefrau Ann sind ein schmuckes Paar. Oder eigentlich ein Trio: Seit eineinhalb Jahren ist Tochter Elisa die wichtigste Inspiration für den Musiker und die Designerin.
Perica,
die Familie
2008. Obwohl sich Slädu auf sein Gitarrensolo konzentriert, fällt ihm die junge Frau im Publikum auf – lange blonde Haare, ein strahlendes Lachen, die Hände über dem Kopf. «Das ist sie», dachte der Schweizer Gitarrenheld, der einst mit Gölä die Schweiz eroberte. Er traf die blonde Bernerin nach dem Konzert backstage – alles andere ist Geschichte.
Zu kitschig, um wahr zu sein: Der Musiker und die Make-up-Artistin trafen sich nicht an einem Konzert, sondern online. «MySpace» hiess der Schlüssel zum aktuellen Glück von Ann und Slädu Perica. «Das war damals cooler als Facebook», erinnert er sich. «Ich entdeckte ihr Profil – auffallend geschminkt, mit coolem Baseballcap und im Hintergrund tönte ‹I wanna be a Rockstar› von Nickelback. Da wusste ich: die, und keine andere!» Was Slädu wusste, ahnte Ann nicht. Denn ihr schriller Auftritt auf «MySpace» war eine Parodie. «Das entsprach in keiner Art und Weise meiner Persönlichkeit», lacht Ann. «So wäre ich nie vor die Tür gegangen.» Ging sie ein paar Wochen später doch. Mit Slädu, dezent geschminkt – alles andere ist tatsächlich Geschichte.
Zeitreise. 2016 heiraten Ann und Slädu in Los Angeles. Aus dem geplanten Riesenfest in der Schweiz wird eine Hochzeit im kleinen Rahmen in den USA. «Die Gästeliste wurde immer länger, das Budget immer knapper», gibt Slädu ehrlich zu. «Darum haben wir uns entschlossen, im Ausland zu heiraten.» Marokko stand hoch im Kurs, Bora Bora auch. Doch schliesslich entschied sich das Paar für Kalifornien. «Slädu hat während seines Musikstudiums in Los Angeles gelebt», so Ann. «Ich fand es gut, einen Ort zu wählen, der nicht einfach nur schön und mystisch ist, sondern eine Bedeutung für uns hat.» Gefeiert wurde unter Palmen mit Blick auf die Skyline von L.A. Hollywood-Glam? «Das Gegenteil», betont Slädu. «Ein Gartenfest mit Familie, ein Pfarrer aus Meikirch und eine Fotografin aus Bolligen.» Ann: «Ganz einfach. Einfach und wunderschön.»
Zurück in der Schweiz wurde aus dem Gitarristen ein Eventorganisator, Sales Manager, Orchesterleiter und Mundartsänger. Und aus der Make-up-Artistin eine erfolgreiche Schmuckdesignerin mit eigenem Brand und Verkaufslokal im Zürcher Seefeld. «Auch wenn wir völlig andere berufliche Wege gehen, waren und sind wir immer ein Team», erklärt Ann. Und Slädu betont: «Arbeiten war für uns nie ein notwendiges Übel, sondern unsere Leidenschaft. Darum haben wir gegenseitig so viel Verständnis, wenn man in der Beziehung Opfer bringen muss.» Wohl auch deshalb war das «verflixte siebte Ehejahr» für das kreative Paar kein Thema. Im Gegenteil. Das achte machte die Familie komplett: Am 21. Juni 2024, kurz nach Mittag, kam Töchterchen Elisa in Bern zur Welt – 51 cm, 3,4 Kilo. «What a trip and a new chapter», whatsappte Slädu stolz.
Und was hat sich seit der Geburt von Elisa verändert?
Ann: «Ich habe viel weniger Zeit für meine Arbeit. Aber das ist positiv. Ich entscheide heute schneller und öfter aus dem Bauch – und immer im Sinne der Familie.»
Slädu: «Die Prioritäten haben sich verschoben. Jetzt heisst es ‹family first›. Und Sicherheit. Denn wir tragen nun die Verantwortung für unsere Tochter.»
Ist das belastend?
Ann: «Nein, befriedigend und befreiend. Wenn wir uns früher über irgendwas aufgeregt haben, nehmen wir das heute gelassen. Trotz der Unruhe mit einem Kleinkind ist bei uns Ruhe eingekehrt. Wir suchen nicht mehr, wir haben gefunden.»
Slädu: «Sicherheit? Vorsorge? Kein Thema. Als Secondo und Musiker habe ich jahrelang einfach drauflos gelebt. Nun ist alles anders. Und das fühlt sich gut an.»
Ist Elisa mehr Ann oder Slädu?
Ann: «Ganz klar: Sie ist viel mehr Slädu. Es muss immer etwas laufen, sonst ist sie nicht zufrieden.»
Und, ist noch Familienzuwachs geplant?
Ann: «Früher wollte Slädu ganz viele Kinder. Heute ist er anderer Meinung . . .»
Slädu: «Ja, früher habe ich mir das so vorgestellt. Aber ich bin schon 56 Jahre alt. Und will für das Kind Vater sein, nicht Grossvater. Zudem habe ich es genossen, Einzelkind zu sein – ich war nie einsam.»
Was fehlt euch zum absoluten Glück?
Ann: «Absolut nichts.»
Slädu: «Jetzt sind wir als Familie komplett. Und Elisa ist unsere neue und wichtigste Inspiration.»
Elisa ist
unsere neue
und wichtigste
Inspiration.Slädu Perica
Slädu,
der Musiker
Flucht aus Kroatien. Schulzeit in der Schweiz. Musikstudium in Los Angeles. Tangerine Dream. Grammy-Nomination. Gölä. «Black’n’Blond». Florian Ast. Bligg. DJ Bobo. Luca Hänni. Art on Ice. «Das Zelt – Schwiizer Hits».
Wer Slädu in den vergangenen 30 Jahren nicht schon mal auf einer Bühne oder im Schweizer Fernsehen gesehen und vor allem gehört hat, der dürfte sich nicht für das hiesige Musikschaffen interessieren. Denn seit Ende der 90er-Jahre, als er mit seinen Soli die «Lumpeliedli» von Gölä frisiert hat, führt in der Deutschschweiz kein Weg mehr am Gitarren-virtuosen vorbei. «Danke für die Blumen», lacht Slädu. «Aber ich kann mit meiner Karriere tatsächlich zufrieden sein. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass man in der Schweiz von der Musik leben kann. Vor allem als Gitarrist!»
Während der junge Slädu mit der Progrock-Band Tangerine Dream international unterwegs war und eines seiner Soli für einen Grammy Award nominiert wurde, war es Gölä, der den gebürtigen Kroaten mit Schweizer Pass musikalisch eingebürgert hat. «Zwei völlig unterschiedliche Welten», erinnert sich Slädu, der am Musicians Institute Los Angeles unter anderem von Saiten-Legende Pat Metheny unterrichtet wurde. «Während eines Konzerts mit Tangerine Dream klatschten die Fans nicht, sondern haben nur zugehört. Und plötzlich spielte ich mit Gölä vor einem Publikum, das jeden Song mitgesungen hat. Das war ein Kulturschock. Aber im positiven Sinne.»
Trotzdem dauerte es 25 Jahre, bis sich Slädu mal mit einem eigenen Mundartsong ans Mikrofon wagte. «Hie bi üs» von 2023 war eine poppige Ode ans Berner Oberland, «Danke Dir» vom vergangenen Februar ein vertonter Liebesbrief an seine Frau Ann? «Nein, das sage ich ihr direkt und in anderen Worten», korrigiert Slädu. «Das ist an all die Leute gerichtet, die mich in meinem Leben beeinflusst und unterstützt haben.»
Folgt schon bald ein ganzes Mundartalbum?
«Dafür fehlt mir die Zeit.»
Weshalb?
«Erstens bin ich Vater, zweitens habe ich im April als Sales Manager bei Ticketcorner begonnen und drittens bin ich musikalischer Leiter der Serie ‹Das Zelt – Schwiizer Hits›, wo ich auch selber Mundart singen werde.»
Also doch eine neue Karriere?
«Das hat sich eher zufällig ergeben. Aber ich mag es.»
Im Rampenlicht zu stehen?
«Irgendwie schon. Wenn man singt, hat das eine ganz andere Kraft. Es ist persönlicher, weil man selber Instrument ist. Und mir gefällt es, zu komponieren und zu texten. Auch wenn ich damit nicht die Welt verändern werde.»
Und wie gefallen Ann die beiden Mundartsongs?
«Frag sie doch lieber selber.»
Ann: «Ich bin kein Mundartfan. Aber Slädu liebt die Songs, liebt es, sie zu spielen. Das ist die Hauptsache!»
Ann,
die Designerin
«Ich liebe Zürich!», strahlt die gebürtige Bernerin Ann Perica. «Ich finde die Stadt toll. Inspirierend. Und das nicht erst, seit ich ein eigenes Geschäft im Seefeld habe.» Ein Schmuckgeschäft. Spezialisiert auf Eigenkreationen. Abonniert auf Emotionen. «Für mich ist Schmuck zwar Ausdruck eines Stils, aber in erster Linie hat es mit Erlebnissen oder wichtigen Momenten im Leben zu tun», betont Ann. «Emotionen pur.»
So pur wie die Materialien, die die Schmuckdesignerin für ihre Entwürfe verarbeitet. Genauer, verarbeiten lässt – grösstenteils in der Schweiz. Das kann die Unternehmerin garantieren, weil ihr Brand auf «custom made»-Schmuckstücke spezialisiert ist. Also Massarbeit in Gold und Edelsteinen. «Dazu arbeiten wir mit zwei Partnerateliers, einer Giesserei, zwei Steinsetzern und zwei Handgraveuren zusammen», so Ann. Ist es kein Nachteil, dass sie ihre Designs nicht selber realisieren kann? «Nein», stellt sie klar: «Weil ich mich nicht um die technische Machbarkeit kümmern muss, kann ich viel freier designen.»
Mit Erfolg. Obwohl 2023 «ein wenig harzig war», läuft das Business derzeit bestens. So gut, dass sie ihren Brand «Ann Perica» mit einer Pop-up-Fläche bei den Globus Jewellery Days und im Maison Gassmann vorstellen konnte. So gut, dass sie ihr Team im Seefeld vergangenen Monat um zwei weitere Mitarbeiterinnen vergrössern konnte. «Durch das Wachstum des Brands und die Geburt unserer Tochter Elisa hat sich auch meine Funktion verändert», erklärt Ann. «Ich finde mich immer mehr in den Rollen, in denen ich mich am stärksten fühle – Kreation, Art Direction für den ganzen Brand, Kommunikation, Social Media und als Gesicht des Brands. Das ist meine Welt.»
War Schmuckdesignerin dein Kindheitstraum?
«Nein. Ich habe mich zwar wie die meisten Mädchen schon früh für Schmuck interessiert. Aber erst als ich über einen Studentinnenjob als Assistentin jüdischer Diamanthändler an die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld gelangte, war es um mich geschehen. Danach arbeitete ich zehn Jahre weltweit an Schmuckmessen und zwei Jahre bei einer Goldschmiedin, um das Handwerk zu verstehen.»
Was unterscheidet dein Label von den vielen bekannten Juwelieren an der Bahnhofstrasse?
«In erster Linie die Möglichkeit, ein Schmuckstück individuell erstellen zu lassen. Von der Art des Goldes über die Edelsteine und deren Fassung kann man bei uns alles selbst aussuchen. Und daraus kreieren wir dann das ganz persönliche Schmuckstück.»
Und wie schaffst du es, Schmucktrends zu folgen?
«Ich beobachte sie, aber kopiere sie nicht. Schmuck ist nicht so schnelllebig wie Mode. Schmuck soll zeitlos sein. Etwas, das man über Jahrzehnte behält. Und vielleicht mal vererbt.»
Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für dich?
«Sehr wichtig. Deshalb ist Transparenz unsere Hauptdevise – jede Info geht an die Kunden weiter. So wissen diese ganz genau, was sie kaufen und tragen werden. Zudem arbeiten wir mehrheitlich mit recyceltem Gold.»
Dein Lieblingsschmuckstück?
«Natürlich mein Verlobungsring. Und seit der Ankunft von Elisa zwei schlichte Ringe, mit jeweils dem Geburtsstein von mir und meinem Töchterchen.»
Text & Fotos Dieter Liechti
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