Panneaux géothermiques Enerdrape. Parking Margencel, Aigle, Juillet 2024 © Fred Merz | Lundi13

Energie aus der Tiefgarage

Geothermische Panels von Enerdrape verwandeln Untergeschosse in nachhaltige Energiequellen. Das Konzept des Lausanner Start-ups nutzt Erdwärme, um darüberliegende Gebäude zu wärmen oder zu kühlen.

Über 50 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs gehen auf das Konto von Gebäudeheizungen und Klimaanlagen. Der Grossteil davon wird durch fossile Träger gedeckt. Der Hebel, um den CO2-Ausstoss zu senken, ist beachtlich. Doch in den Städten, wo der Bedarf am höchsten ist, ist es am schwierigsten, erneuerbare Energiesysteme einzusetzen. Denn in urbanen Zentren gestaltet es sich meist kompliziert, geothermische Bohrungen durchzuführen.

Umso einfacher funktioniert dagegen die Lösung von Enerdrape. «Mit unseren geothermischen Panels lässt sich das bisher brachliegende Energiepotenzial von Untergeschossen, wie etwa Parkhäusern, nachhaltig nutzen», sagt Margaux Peltier, CEO und Mitgründerin des Lausanner Start-ups. Der Vorteil ihres Produkts, das die Energie aus dem Boden gewinnt: Es lässt sich ohne grössere bauliche Massnahmen installieren, ist modular und wird in bestehende Wärme- und Kühlsysteme eingebunden.

Benötigt werden lediglich Wände, die in direktem Kontakt mit dem Erdreich stehen. Aufgrund der thermischen Stabilität des Untergrunds heizt sich die Trägerflüssigkeit, die durch die Panels fliesst, um drei bis sechs Grad auf – genug für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die Temperaturdifferenz das ganze Jahr über konstant. «Wir erreichen so Faktor 6», erklärt die Geschäftsführerin. Das heisst: Mit einer Kilowattstunde Strom können sechs Kilowattstunden Wärme gewonnen werden. Und jedes einen Quadratmeter grosse Panel heizt zehn Quadratmeter Gebäudefläche.

Das Konzept ist weltweit einzigartig und wurde an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) entwickelt. Im Rahmen ihres Masters als Bauingenieurin hat Margaux Peltier am Projekt mitgeforscht und sich schliesslich entschieden, statt ihr Doktorat zu machen, den Schritt als Unternehmerin zu wagen. Die 31-Jährige ist in Monaco aufgewachsen und hat sich schon als Teenagerin für nachhaltige Themen interessiert. «Das war meine Art der Rebellion», lacht sie. Denn beide Elternteile arbeiteten für eine Firma, die Ölplattformen betrieb.

Margaux Peltier Enerdrape

Unser Ziel ist,
dass künftig bei
Renovationen oder
Neubauten stets
an Enerdrape
gedacht wird.

Seit der Gründung 2021, als sie die Firma mit zwei anderen Teilhabern als Spin-off aus der EPFL herausgelöst hat, geht es rasant vorwärts: 2023 startete die Serienfertigung der Panels in einer italienischen Fabrik. «Uns war es wichtig, dass die Produktion in Europa bleibt.» Letztes Jahr wurden bereits rund 5000 Stück hergestellt. Nun geht es darum, das Volumen hochzuschrauben, mit dem Ziel, bis 2030 profitabel zu sein, wie Margaux Peltier betont. Aktuell ist sie Chefin von sechs Mitarbeitenden, doch auch dieser Bereich ist stark am Wachsen: Im Laufe dieses Jahres wird sich die Belegschaft mehr als verdoppeln.  

Als eines der ersten Projekte stattete Enerdrape die Tiefgarage des Coop Centers in Renens im Westen Lausannes, wo das Start-up seinen Sitz hat, mit 200 geothermischen Panels aus. Weitere Objekte, wie das Parking der Stadtverwaltung Lancy (GE), folgten. Inzwischen hat sich das Unternehmen auch im Ausland etabliert: Seit letztem Jahr versorgen die Panels eine Wohnüberbauung im 11. Arrondissement in Paris mit erneuerbarer Energie.

«Unser Ziel ist, dass künftig bei Renovationen oder Neubauten stets an Enerdrape gedacht wird», betont die Firmengründerin. Denn ihr Produkt sei nicht nur nachhaltig, sondern im Vergleich zu den Investitionskosten anderer erneuerbarer Lösungen auch wirtschaftlich, mit einer Lebensdauer, die Margaux Peltier auf 50 Jahre schätzt.  Sie fügt an: «Es gibt all diese Mauern im Untergrund, die heute nicht genutzt werden, sich aber bestens zum Heizen eignen. Dieses Potenzial an lokaler, CO2-neutraler Energie gilt es auszuschöpfen.»

TextReto Neyerlin
Fotos Enerdrape

Nachhaltigkeitspreis der AMAG

Enerdrape ist die Gewinnerin der ersten AMAG Sustainability Challenge. Als Preis erhielt das Lausanner Start-up einen finanziellen Beitrag aus dem AMAG Climate Fund sowie einen gebrandeten ID.3.

Das Elektroauto wird vor allem für Kunden- und Baustellenbesuche verwendet – und erspart den Mitarbeitenden einige Sprüche. «Zuvor reisten wir meist mit dem Zug an. Da wir hauptsächlich in Parkings aktiv sind, sorgte das immer wieder für Belustigung», so Margaux Peltier.

Inzwischen hat Enerdrape auch eine Version von Panels entwickelt, auf denen sich Ladestationen installieren lassen.

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