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Auf Tarnfahrt mit dem ID. Polo

Kurz vor dem Serienstart absolvierte der neue vollelektrische ID. Polo die finalen Testkilometer in Spanien. Mit an Bord: die Schweizer Automobil- Influencerin «withliv», die den Kompaktwagen unter die Lupe nahm.

Jetzt geht es los mit der neuen elektrischen Kleinwagenfamilie von Volkswagen: Im Herbst kommt als erster Vertreter der ID. Polo auf den Markt, in kurzen Abständen folgen der ID. Polo GTI und der ID. Cross. 

Die letzten Abstimmungskilometer legte die eigenständige E-Version des Bestsellers auf den Strassen rund um Barcelona zurück – sie wird im nahen Martorell in der Fabrik von Seat/Cupra vom Band laufen. Die serienreifen Prototypen waren als «Erlkönige» unterwegs: versehen mit einer Tarnfolie (wird nicht zum Verkauf angeboten), die die Details des Designs verschleiert. 

Am Steuer der verkleideten ID. Polo sassen nebst Ingenieuren auch Journalisten und Automobil-Influence­rinnen aus ganz Europa. Unter ihnen: die Zür­cherin Livia. Seit 2024 ist die ­29-Jährige vollberufliche ­Fotografin und Content Creatorin. Auf ihrem Instagram-Account «withliv» stellt sie automobile Highlights vor: Oldtimer, Sportwagen sowie Elektro­autos. «Es sind Momente wie diese, die meinen Job so spannend und abwechslungsreich machen», freute sie sich auf die Probefahrt in Spanien.

 

Verwandtschaft klar ersichtlich

Doch zuerst nahm sie den ID. Polo von aussen ­unter die Lupe und stellte trotz Tarnfolierung fest: «Er ist eindeutig ein Polo. Zwar etwas breiter und ­moderner als sein Cousin mit Verbrennungsmotor. Die Verwandtschaft ist aber offensichtlich.» Das hat einen triftigen Grund: Der ID. Polo ist das erste Serienmodell, das anhand der neuen Designsprache «Pure Positive» gestaltet wurde. Mit ihr vollzieht Volkswagen einen Wandel: weg vom eher runden, futuristischen Look der bisherigen ID.s, hin zu mehr Kanten und klaren Linien. Zur Neuausrichtung gehört zudem, dass künftig auch die Elektromodelle die ikonischen Markennamen tragen. Als Studie lief der ID. Polo noch unter der Bezeichnung ID. 2all.  

Bei der Länge orientiert sich der elektrische Polo ebenfalls am Verbrennermodell. Mit 4,05 Metern ist er zwei Zentimeter kürzer, bietet dank knapper Überhänge aber deutlich mehr Platz im Innenraum. Der Radstand beträgt 2,60 Meter, was einem Plus von fünf Zenti­metern entspricht. «Für einen kleinen Kompakten sitzt es sich so auch in der zweiten Reihe erstaunlich bequem», bemerkte Livia.

Besonders überrascht war sie aber vom Kofferraum. 435 Liter Gepäck kommen hier unter, 50 Liter mehr als im 21 Zentimeter längeren ID.3. Möglich macht dies eine weitere Konzeptänderung: Sitzt der Elektroantrieb bei den bisherigen ID. Modellen ohne Allrad an der Hinterachse, wandert er beim ID. Polo erstmals nach vorne. Dadurch gewinnt der Kofferraum an Tiefe, und sogar unter dem doppelten Ladeboden haben zwei ganze Getränkeharassen Platz.

Geräumige Fahrzeuge ist sich Livia aus ihrer Kindheit gewohnt: Ihre Eltern fuhren einen VW Bus T2. Auch ihre Faszination für Autos begann zu dieser Zeit, ganz aus eigenem Antrieb. Mit neun spielte sie begeistert Auto-Quartett, bald schon kaufte sie Fachzeitschriften, um darin die technischen Spezifikationen mit einem Leuchtstift hervor­zuheben. Und als sie ihr erstes Handy erhielt, fotografierte sie als Teenagerin hauptsächlich Sportwagen. Da war der Weg zur professionellen Kamera und einem eigenen Instagram-Kanal nicht mehr weit – inzwischen hat sie mehr als 50 000 Follower.

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Bestellauftakt mit zwei Batterievarianten

Zum Debüt im Herbst 2026 wird es den ID. Polo in drei Leistungs­stufen geben: mit 116 PS (85 kW), 135 PS (99 kW) und 211 PS (155 kW). 2027 folgt zudem der sportliche ID. Polo GTI mit 226 PS (166 kW). Die beiden weniger ­leistungsstarken Varianten versorgt ein 37 kWh (netto) grosser Lithium-Ferrophosphat-Akku (LFP) mit Strom.

In den Topversionen kommt erstmals die neue Einheitszelle der Volkswagen Tochterfirma «PowerCo» zum Einsatz, die in der Gigafabrik im deutschen Salzgitter ­produziert wird.

Die Nickel-Mangan-Kobalt-Batterie (NMC) bietet einen Energiegehalt von 52 kWh (netto), ermöglicht Reichweiten von bis zu 450 km (WLTP) und kann mit bis zu 130 kW an DC-Säulen geladen werden.

Alle Leistungsdaten sind provisorisch, da die Homologation noch nicht abgeschlossen ist. Der Bestellstart ­erfolgt im Frühling 2026, die Preise beginnen in Deutschland ab 25 000 Euro (Preise für die Schweiz noch nicht bekannt).

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Tief gebaut: Unter dem Ladeboden ist genug Platz für zwei Getränkeharassen.
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Auf alte Stärken besinnt: Das Lenkrad verfügt über klassische Tasten, die Klimaanlage lässt sich mit einer Schalterleiste steuern und das Soundsystem mit einem Drehknopf in der Mittelkonsole.
Interieur mit Wohlfühlcharakter

Ein Thema, das die ausgebildete Mediengestalterin für Werbetechnik besonders interessiert, ist das Design. Und da hat der ID. Polo auch im komplett neu gestalteten Interieur ­einiges zu bieten. Horizontale Linien prägen den schlichten Innenraum. Mit Textilien bezogene Oberflächen und warme Farben sorgen für einen hohen Wohlfühlfaktor. «Man fühlt sich fast wie in einer gemütlichen Stube», sagte Livia, während sie auf dem Fahrersitz Platz nahm.

Ihr ganz persönliches Highlight entdeckte sie aber auf dem digitalen Cockpit hinter dem Lenkrad. Dort lassen sich die Anzeigen optional in einer Retro-Ansicht darstellen, die den Instrumenten des Golf I nachempfunden ist – adaptiert auf die Elektromobilität, mit Batterieverbrauchsanzeige statt Drehzahlmesser. Und als Livia ihr Handy mit dem Infotainmentsystem verband und Musik abspielte, zeigte es auf dem mittigen Bildschirm eine analoge Kassette an. «Als Oldtimerliebhaberin jubelt da mein Herz!»

Mit einem Experten von Volkswagen als Beifahrer ging es anschliessend auf die einstündige Testfahrt. Dabei fiel Livia sofort auf, wie vehement der Kompaktwagen beschleunigt. Das liegt einerseits am verzögerungsfreien Antritt des 211 PS starken Frontmotors (siehe Box), andererseits am – für ein Elektroauto – geringen Gewicht von rund 1500 Kilogramm. Im Zusammenspiel mit dem ausgewogenen Fahrwerk und der direkten Lenkung kam so richtig viel Fahrspass auf. «Der ID. Polo wird sich sowohl auf den Schweizer Passstrassen als auch in den Stadtzentren sehr gut machen», lautete das Fazit der Testerin.

TextReto Neyerlin
Fotos  Ingo Barenschee

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